Interviewer: Herr Högel, warum warnt die BaFin konkret vor der Website curr-inv.com?

RA Högel: Die BaFin erkennt in diesem Fall klare Anzeichen eines unerlaubten Finanzgeschäfts. Die Betreiber bieten Dienstleistungen an, für die sie in Deutschland eine Erlaubnis benötigen – wie z. B. den Handel mit Wertpapieren oder Kryptowährungen. Diese fehlt jedoch, was die Angebote auf curr-inv.com illegal macht. Darüber hinaus ist der angegebene Betreiber, Curran Investments Limited, weder bei der BaFin noch im britischen FCA-Register nachvollziehbar lizenziert.

Interviewer: Viele dieser Anbieter geben einen Auslandsstandort an – warum?

RA Högel: Die Angabe eines Standorts in London, Zürich oder Amsterdam dient dem Zweck, Vertrauen zu schaffen. Man möchte suggerieren, dass es sich um ein europäisches, reguliertes Unternehmen handelt. In Wahrheit sind viele dieser Firmen Briefkastenfirmen oder existieren gar nicht. Das erschwert Betroffenen später die Rechtsverfolgung enorm.

Interviewer: Welche Risiken gehen für Anleger aus?

RA Högel: Es gibt mehrere:

  • Totalverlust des eingesetzten Kapitals, da Einzahlungen direkt in die Hände der Täter fließen.

  • Kein Schutz durch Einlagensicherung oder BaFin-Aufsicht.

  • Missbrauch persönlicher Daten, etwa durch Weiterverkauf an weitere Betrügernetzwerke.

  • Und schlimmstenfalls sogar strafrechtliche Ermittlungen, wenn Anleger unwissentlich als Geldwäscher missbraucht werden.

Interviewer: Was sollten Betroffene tun, wenn sie investiert haben?

RA Högel:

  1. Zahlungen sofort stoppen – ggf. Bank oder Zahlungsdienstleister informieren.

  2. Alle Unterlagen sichern – E-Mails, Kontoauszüge, Chatverläufe.

  3. Strafanzeige erstatten bei Polizei oder Staatsanwaltschaft.

  4. Die BaFin informieren, um weitere Warnungen zu ermöglichen.

  5. Und: Juristischen Rat einholen, um Rückforderungsmöglichkeiten zu prüfen.

Interviewer: Gibt es Warnzeichen, auf die Anleger achten sollten?

RA Högel: Ja, die häufigsten Warnsignale sind:

  • Kein Impressum oder fehlende rechtliche Angaben.

  • Keine BaFin-Lizenz – lässt sich in der Unternehmensdatenbank leicht überprüfen.

  • Druck zur schnellen Einzahlung, meist per Krypto oder Kreditkarte.

  • Versprechen hoher Renditen ohne Risiko.

  • Angebliche „Berater“, die täglich anrufen.

Interviewer: Wie kann man sich als Anleger generell schützen?

RA Högel: Niemals Geld investieren, ohne die Zulassung des Anbieters geprüft zu haben. Das geht auf der BaFin-Website oder über ausländische Aufsichtsbehörden wie die FCA. Zudem sollte man sich nie zu einer Entscheidung am Telefon oder per Messenger drängen lassen. Im Zweifel lieber zweimal nachfragen – oder professionelle Hilfe einholen.

Interviewer: Vielen Dank für Ihre Einschätzung.

RA Högel: Gern. Gerade im Online-Finanzbereich gilt: Misstrauen schützt Ihr Geld.