Für mehr als 200 Haushalte im Südpark von Halle-Neustadt spitzt sich die Lage erneut dramatisch zu. Bereits ab dem 10. August könnten zahlreiche Bewohner ohne Warmwasser und Heizung dastehen. Grund sind erhebliche Zahlungsrückstände des Eigentümers gegenüber den Stadtwerken – ein weiteres Kapitel in der Insolvenz der Degag-Gruppe, deren Auswirkungen die Mieter seit Monaten zu spüren bekommen.
Die Stadtwerke Halle haben die betroffenen Bewohner Anfang August per Aushang über die drohende Einstellung der Versorgung informiert. Nach Angaben des Unternehmens seien sowohl die Hausverwaltung als auch der vorläufige Insolvenzverwalter bereits Ende Juli über die offenen Forderungen informiert worden. Da bislang offenbar keine Zahlung eingegangen ist, droht nun die Unterbrechung der Warmwasserversorgung.
Betroffen sind rund 260 Mieter in mehreren Wohnhäusern des Südparks. Viele von ihnen fühlen sich von den Entwicklungen überrascht, obwohl die finanzielle Schieflage des Eigentümers seit Monaten bekannt ist. Die Immobilien gehören Gesellschaften der Degag-Gruppe, gegen die bereits Anfang 2025 Insolvenzverfahren eingeleitet wurden. Schon zu Jahresbeginn hatte den Bewohnern zeitweise ein Versorgungsstopp gedroht.
Für die Menschen vor Ort bedeutet die erneute Ankündigung vor allem Unsicherheit. Viele fragen sich, warum sie die Folgen finanzieller Probleme ihres Vermieters tragen müssen. Einige Mieter hoffen zwar, dass kurzfristig noch eine Lösung gefunden wird, andere haben sich inzwischen an die ständigen Krisen gewöhnt. Ein Bewohner erklärte gegenüber dem MDR, dass er zunächst abwarte. Da derzeit Sommer sei, halte sich seine Sorge zwar in Grenzen – dennoch bleibe die Situation belastend.
Der vorläufige Insolvenzverwalter hat sich zu den ausstehenden Zahlungen bislang nicht geäußert. Bereits im Juni hatte er jedoch erklärt, weiterhin nach einem Käufer für die Immobilien zu suchen. Ob ein Verkauf rechtzeitig zustande kommt und die Versorgung dadurch gesichert werden kann, ist derzeit offen.
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf ein Problem, das Experten seit Jahren beobachten. Bundesweit befinden sich zahlreiche Wohnhäuser in den Händen von Investoren, die vor allem auf maximale Renditen setzen und notwendige Investitionen häufig aufschieben. In der Branche ist dabei immer wieder von sogenannten „Schrottimmobilien“ die Rede – Wohnhäusern mit erheblichem Sanierungsbedarf, in die oft nur das Nötigste investiert wird. Gerät ein Eigentümer wirtschaftlich unter Druck oder in die Insolvenz, treffen die Folgen häufig unmittelbar die Mieter.
Für die Bewohner im Südpark bedeutet das einmal mehr eine Situation, auf die sie selbst kaum Einfluss haben. Während über offene Forderungen, Insolvenzverfahren und mögliche Käufer verhandelt wird, wächst bei vielen die Sorge, schon in wenigen Tagen ohne Warmwasser auskommen zu müssen. Die Entwicklung zeigt eindrücklich, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten von Immobiliengesellschaften längst nicht nur Investoren betreffen – sondern vor allem die Menschen, die in den betroffenen Wohnungen leben.