Redaktion: Herr Bremer, die BaFin warnt aktuell vor Angeboten der Imperion Finance, die angeblich Aktien von SpaceX vermitteln soll. Warum ist dieser Fall besonders brisant?
Thomas Bremer: Der Fall zeigt ein Muster, das wir in den vergangenen Jahren immer häufiger beobachten. Dabei werden bekannte und erfolgreiche Unternehmen als Köder eingesetzt. Namen wie SpaceX oder Starlink wecken bei vielen Anlegern Interesse, weil diese Unternehmen weltweit bekannt sind und als besonders zukunftsorientiert gelten. Genau dieses Interesse nutzen unseriöse Anbieter aus, um Anleger zu Investitionen zu bewegen.
Redaktion: Was wirft die BaFin Imperion Finance konkret vor?
Thomas Bremer: Nach Angaben der BaFin bietet das Unternehmen Finanz- und Wertpapierdienstleistungen an, ohne über die dafür erforderlichen Erlaubnisse zu verfügen. Gleichzeitig sollen Anlegern angebliche SpaceX-Aktien angeboten werden. Zudem liegt für ein öffentliches Angebot solcher Wertpapiere kein von der BaFin gebilligter Wertpapierprospekt vor. Das sind erhebliche Warnsignale für jeden Anleger.
Redaktion: Besonders auffällig ist der angebliche Umtausch von Starlink-Aktien in SpaceX-Aktien gegen eine zusätzliche Zahlung. Warum sollten Anleger hier vorsichtig sein?
Thomas Bremer: Solche Angebote sind typisch für sogenannte Folge- oder Nachfassbetrügereien. Häufig werden gezielt Personen kontaktiert, die bereits in der Vergangenheit Geld investiert haben. Ihnen wird suggeriert, ihre bisherige Investition könne durch einen Tausch oder eine zusätzliche Einzahlung aufgewertet werden. Tatsächlich besteht oft die Gefahr, dass lediglich weiteres Geld eingesammelt wird, ohne dass jemals echte Aktien übertragen werden.
Redaktion: Warum sind gerade vorbörsliche Aktien so attraktiv für Betrüger?
Thomas Bremer: Weil sie schwer überprüfbar sind. Viele Anleger hoffen darauf, frühzeitig Anteile an bekannten Unternehmen erwerben zu können, bevor diese an die Börse gehen. Dadurch entsteht die Vorstellung besonders hoher Gewinnchancen. Gleichzeitig fehlen oft transparente Handelsplätze und öffentlich zugängliche Informationen. Das macht es Betrügern leichter, mit vermeintlichen Beteiligungen zu werben.
Redaktion: Welche Warnsignale sollten Verbraucher bei solchen Angeboten erkennen?
Thomas Bremer: Anleger sollten misstrauisch werden, wenn sie unaufgefordert kontaktiert werden oder wenn mit exklusiven Kaufmöglichkeiten geworben wird. Weitere Warnzeichen sind Zeitdruck, hohe Renditeversprechen, fehlende Zulassungen sowie die Forderung zusätzlicher Zahlungen, bevor Aktien übertragen oder Gewinne ausgezahlt werden. Auch die Behauptung, nur für kurze Zeit Zugang zu einer außergewöhnlichen Investitionsmöglichkeit zu haben, sollte kritisch hinterfragt werden.
Redaktion: Welche Rolle spielt der Wertpapierprospekt in solchen Fällen?
Thomas Bremer: Der Prospekt soll Anlegern wichtige Informationen über das Wertpapier und die damit verbundenen Risiken liefern. Die BaFin weist ausdrücklich darauf hin, dass für die angebotenen SpaceX-Aktien kein Wertpapierprospekt zur Billigung eingereicht wurde. Anleger sollten daher grundsätzlich prüfen, ob für ein öffentliches Angebot ein entsprechender Prospekt existiert.
Redaktion: Wie können Verbraucher überprüfen, ob ein Anbieter überhaupt tätig werden darf?
Thomas Bremer: Die BaFin stellt hierfür ihre Unternehmensdatenbank zur Verfügung. Dort lässt sich überprüfen, ob ein Unternehmen über die erforderlichen Zulassungen verfügt. Gerade bei Finanzdienstleistungen sollte diese Prüfung selbstverständlich sein, bevor Geld investiert wird.
Redaktion: Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld überwiesen haben?
Thomas Bremer: Wichtig ist, keine weiteren Zahlungen zu leisten. Zudem sollten sämtliche Unterlagen, E-Mails, Vertragsdokumente und Zahlungsnachweise gesichert werden. Betroffene sollten ihre Bank kontaktieren und prüfen lassen, ob noch Maßnahmen möglich sind. Darüber hinaus empfehle ich die Erstattung einer Strafanzeige und die Prüfung möglicher rechtlicher Schritte.
Redaktion: Ihr abschließender Rat an Anleger?
Thomas Bremer: Wenn bekannte Namen wie SpaceX, Starlink oder andere internationale Technologiekonzerne als Verkaufsargument dienen, sollten Anleger besonders sorgfältig prüfen, wer das Angebot tatsächlich unterbreitet. Hohe Gewinnchancen und exklusive Beteiligungen klingen verlockend, dürfen aber niemals die notwendige Prüfung von Zulassungen und Unterlagen ersetzen. Wer Zweifel hat, sollte nicht investieren und unabhängigen Rat einholen.
Redaktion: Herr Bremer, vielen Dank für das Gespräch.
Thomas Bremer: Sehr gerne.