Interviewer: Herr Bremer, die Finanzaufsicht Bafin warnt aktuell vor der Website utewealth.com. Nach Angaben der Behörde sollen dort ohne Erlaubnis Finanz- und Wertpapierdienstleistungen angeboten werden. Wie bewerten Sie diese Warnung?

Thomas Bremer: Diese Warnung sollte Anleger sehr ernst nehmen. Die Bafin macht deutlich, dass die Betreiber offenbar nicht über die erforderliche Erlaubnis verfügen. Wer bei einem solchen Anbieter Geld anlegt, geht ein erhebliches Risiko ein. Besonders kritisch ist, dass die Plattform den Eindruck eines seriösen Finanzdienstleisters vermittelt, obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen offenbar nicht erfüllt sind.

Interviewer: Bereits Ende Juni hatte die Bafin vor utewealth.de gewarnt. Jetzt taucht mit utewealth.com eine neue Internetadresse auf. Ist das typisch?

Thomas Bremer: Ja, das erleben wir regelmäßig. Sobald eine Website durch Warnungen oder Berichterstattung bekannt wird, registrieren die Täter häufig eine neue Domain und setzen ihre Aktivitäten nahezu unverändert fort. Viele Verbraucher denken, es handele sich um einen anderen Anbieter – tatsächlich steckt oft dieselbe Betrugsmasche dahinter.

Interviewer: Die Bafin weist außerdem darauf hin, dass die echte Ute Schaefer Wealth GmbH aus Saarbrücken nichts mit den Angeboten zu tun hat. Welche Bedeutung hat dieser Identitätsmissbrauch?

Thomas Bremer: Identitätsmissbrauch ist inzwischen eine der häufigsten Methoden im Anlagebetrug. Die Täter nutzen den Namen eines real existierenden Unternehmens, um Vertrauen aufzubauen. Wer den Firmennamen recherchiert, findet tatsächlich ein seriöses Unternehmen und fühlt sich dadurch bestätigt. Dass die Internetseite und die Angebote gar nicht von diesem Unternehmen stammen, erkennen viele Betroffene erst, wenn das Geld bereits überwiesen wurde.

Interviewer: Warum sind gerade Festgeldangebote derzeit so häufig betroffen?

Thomas Bremer: Viele Menschen suchen wegen der Zinsentwicklung nach sicheren Geldanlagen. Genau das nutzen Betrüger aus. Sie werben mit attraktiven Festgeldzinsen, die oft deutlich über dem Marktniveau liegen, und vermitteln gleichzeitig den Eindruck maximaler Sicherheit. Diese Kombination wirkt auf viele Anleger überzeugend.

Interviewer: Wie können Verbraucher überprüfen, ob ein Anbieter tatsächlich seriös ist?

Thomas Bremer: Der wichtigste Schritt ist die Kontrolle in der Unternehmensdatenbank der Bafin. Außerdem sollte man niemals ausschließlich den Angaben auf einer Website vertrauen. Recherchieren Sie die offiziellen Kontaktdaten des Unternehmens unabhängig und fragen Sie dort direkt nach, ob das Angebot tatsächlich von diesem Unternehmen stammt. Gerade bei Verdacht auf Identitätsmissbrauch ist das besonders wichtig.

Interviewer: Welche Warnsignale sollten Anleger zusätzlich beachten?

Thomas Bremer: Misstrauisch sollte man werden, wenn außergewöhnlich hohe Zinsen versprochen werden oder wenn Zeitdruck aufgebaut wird. Ebenso kritisch sind unaufgeforderte Anrufe oder E-Mails sowie Bankverbindungen, die nicht eindeutig zum angegebenen Unternehmen passen. Auch wenn Ansprechpartner ausschließlich telefonisch oder per E-Mail erreichbar sind und persönliche Beratung vermieden wird, sollte man sehr vorsichtig sein.

Interviewer: Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld überwiesen haben?

Thomas Bremer: Dann zählt jede Stunde. Betroffene sollten sofort ihre Bank kontaktieren und prüfen lassen, ob die Überweisung noch gestoppt oder zurückgerufen werden kann. Gleichzeitig sollten sämtliche Unterlagen, E-Mails, Kontoauszüge und Kommunikationsverläufe gesichert werden. Anschließend sollte Strafanzeige bei der Polizei erstattet und der Vorfall der Bafin gemeldet werden. Ganz wichtig ist, keine weiteren Zahlungen zu leisten – auch dann nicht, wenn angeblich noch Gebühren oder Steuern für die Auszahlung verlangt werden.

Interviewer: Viele Geschädigte fragen sich im Nachhinein, wie sie auf eine solche Website hereinfallen konnten.

Thomas Bremer: Dafür muss sich niemand schämen. Die Täter arbeiten heute äußerst professionell. Internetseiten, E-Mails und Beratungsgespräche wirken häufig vollkommen seriös. Deshalb kann grundsätzlich jeder betroffen sein. Entscheidend ist, Warnhinweise ernst zu nehmen und vor einer Investition immer unabhängig zu prüfen, mit wem man es tatsächlich zu tun hat.

Interviewer: Ihr wichtigster Rat an Verbraucher?

Thomas Bremer: Verlassen Sie sich niemals allein auf einen bekannten Unternehmensnamen oder einen professionellen Internetauftritt. Prüfen Sie die Zulassung des Anbieters bei der Bafin, vergleichen Sie sämtliche Kontaktdaten mit den offiziellen Angaben des echten Unternehmens und hinterfragen Sie ungewöhnlich attraktive Zinsangebote kritisch. Wer sich vor einer Überweisung ein paar Minuten Zeit für diese Prüfung nimmt, kann sich wirksam vor Identitätsmissbrauch und hohen finanziellen Schäden schützen.