Interviewer: Herr Rechtsanwalt Reime, die Finanzaufsicht Bafin warnt erneut vor Angeboten von Quantum AI. Diesmal betrifft die Warnung die Website quantum-ai.art. Nach Erkenntnissen der Behörde sollen dort ohne Erlaubnis Finanz-, Wertpapier- und Kryptowerte-Dienstleistungen angeboten werden. Wie bewerten Sie diese Warnung?

Rechtsanwalt Reime: Diese Warnung ist äußerst ernst zu nehmen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bafin nicht zum ersten Mal vor Quantum AI warnt. Wenn eine Aufsichtsbehörde wiederholt vor demselben Anbieter oder derselben Marke warnen muss, zeigt das, dass die Betreiber ihre Aktivitäten fortsetzen und lediglich unter neuen Internetadressen auftreten. Verbraucher sollten deshalb besonders aufmerksam sein.

Interviewer: Warum wechseln solche Plattformen immer wieder ihre Internetadressen?

Rechtsanwalt Reime: Das gehört zu den typischen Vorgehensweisen unseriöser Anbieter. Sobald eine Website öffentlich bekannt wird oder eine Warnung veröffentlicht wurde, registrieren die Betreiber einfach eine neue Domain und setzen ihre Aktivitäten fort. Das Geschäftsmodell bleibt meist unverändert – lediglich die Internetadresse ändert sich.

Interviewer: Quantum AI wirbt mit künstlicher Intelligenz und automatisierten Handelsmöglichkeiten. Warum übt das auf viele Anleger eine so große Anziehungskraft aus?

Rechtsanwalt Reime: Begriffe wie künstliche Intelligenz oder automatisierter Handel vermitteln vielen Menschen den Eindruck modernster Technologie und überlegener Gewinnchancen. Häufig entsteht der Eindruck, eine Software könne nahezu automatisch hohe Renditen erzielen. Genau diese Erwartungshaltung nutzen Betrüger gezielt aus. Tatsächlich gibt es keine Software, die risikolos und dauerhaft hohe Gewinne garantieren kann.

Interviewer: Welche Warnsignale sollten Verbraucher bei solchen Plattformen besonders ernst nehmen?

Rechtsanwalt Reime: Vorsicht ist geboten, wenn außergewöhnlich hohe Gewinne bei minimalem Risiko versprochen werden oder wenn prominente Persönlichkeiten angeblich das System empfehlen. Ebenfalls kritisch sind Zeitdruck, unaufgeforderte Telefonanrufe nach einer Registrierung und die Aufforderung, möglichst schnell Geld einzuzahlen. Fehlt außerdem eine Zulassung der Bafin, sollte man grundsätzlich keine Investition tätigen.

Interviewer: Wie können Anleger überprüfen, ob ein Anbieter tatsächlich seriös ist?

Rechtsanwalt Reime: Der wichtigste Schritt ist die Kontrolle in der Unternehmensdatenbank der Bafin. Dort lässt sich feststellen, ob ein Unternehmen über die erforderliche Erlaubnis oder Zulassung verfügt. Darüber hinaus sollte man nach Warnmeldungen der Aufsichtsbehörden suchen und die Unternehmensangaben sorgfältig prüfen. Seriöse Finanzdienstleister machen ihre Zulassung transparent und nachvollziehbar.

Interviewer: Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld an eine solche Plattform überwiesen haben?

Rechtsanwalt Reime: Dann sollte unverzüglich die eigene Bank informiert werden, um zu prüfen, ob Zahlungen noch gestoppt oder zurückgerufen werden können. Gleichzeitig sollten sämtliche Unterlagen, Kontoauszüge, E-Mails und Chatverläufe gesichert werden. Außerdem empfehle ich, Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten und den Vorfall der Bafin zu melden. Ganz wichtig ist, keine weiteren Einzahlungen vorzunehmen – auch dann nicht, wenn angeblich zusätzliche Gebühren oder Steuern für eine Auszahlung verlangt werden.

Interviewer: Viele Geschädigte berichten, dass ihnen auf der Plattform hohe Gewinne angezeigt wurden. Sind diese Zahlen glaubwürdig?

Rechtsanwalt Reime: In vielen Fällen handelt es sich lediglich um fiktive Anzeigen innerhalb der Handelsplattform. Sie sollen den Eindruck erwecken, dass die Investition erfolgreich ist, und die Anleger zu weiteren Einzahlungen bewegen. Ob tatsächlich gehandelt wurde oder Vermögenswerte vorhanden sind, lässt sich daraus nicht ableiten.

Interviewer: Ihr wichtigster Rat an Verbraucher?

Rechtsanwalt Reime: Lassen Sie sich nicht von Schlagworten wie künstliche Intelligenz, automatisierter Handel oder garantierte Gewinne blenden. Prüfen Sie immer, ob der Anbieter über eine Zulassung der Bafin verfügt, recherchieren Sie unabhängige Informationen und investieren Sie niemals unter Zeitdruck. Gerade wenn eine Aufsichtsbehörde bereits mehrfach vor einer Plattform gewarnt hat, sollten Verbraucher konsequent Abstand halten.