Redaktion: Herr Rechtsanwalt Reime, die BaFin warnt vor der Website capitalisgroup.site. Was wird dort angeboten?
RA Reime: Nach Erkenntnissen der BaFin besteht der Verdacht, dass über diese Website ohne Erlaubnis Bankgeschäfte betrieben werden. Konkret geht es um die Vergabe von Krediten. Das ist in Deutschland streng reguliert und erlaubnispflichtig.
Redaktion: Die Betreiber geben an, in Frankreich ansässig zu sein. Spielt das rechtlich eine Rolle?
RA Reime: Entscheidend ist nicht nur der angebliche Sitz, sondern ob sich das Angebot an Kunden in Deutschland richtet. Sobald deutsche Verbraucher angesprochen werden, ist grundsätzlich eine Erlaubnis der BaFin erforderlich.
Redaktion: Welche Risiken drohen Kreditinteressenten?
RA Reime: Häufig werden sogenannte Vorabgebühren verlangt – etwa für Bearbeitung, Versicherung oder angebliche Sicherheiten. Nicht selten wird der Kredit danach nie ausgezahlt. Zudem besteht das Risiko des Datenmissbrauchs.
Redaktion: Wie können Verbraucher prüfen, ob ein Anbieter seriös ist?
RA Reime: Über die Unternehmensdatenbank der BaFin. Ist dort keine Zulassung vermerkt, sollte man sehr vorsichtig sein. Auch ungewöhnliche Domain-Endungen wie „.site“ können ein Warnsignal sein.
Redaktion: Was raten Sie Betroffenen, die bereits gezahlt haben?
RA Reime: Unverzüglich die Bank kontaktieren, um mögliche Rückbuchungen zu prüfen, und Strafanzeige erstatten. Zudem sollte anwaltlich geprüft werden, ob weitere Schritte möglich sind.
Redaktion: Ihr Fazit?
RA Reime: Kreditangebote ohne BaFin-Erlaubnis sind ein deutliches Warnzeichen. Verbraucher sollten niemals Vorkosten zahlen und die Zulassung des Anbieters immer vorab überprüfen.