Interviewer: Herr Bremer, das luxemburgische Gericht hat die Liquidation der FWU Life Insurance Lux S.A. angeordnet. Was bedeutet das für Kundinnen und Kunden in Deutschland?
Thomas Bremer: Zunächst einmal bedeutet es, dass das Unternehmen aufgelöst wird – also keine neuen Verträge mehr abschließen und bestehende nicht mehr weiterführen darf. Wer in Deutschland eine Lebensversicherung bei der FWU Life Insurance Lux abgeschlossen hat, ist jetzt direkt vom Liquidationsverfahren betroffen. Die Verträge werden abgewickelt, Ansprüche müssen beim Liquidator angemeldet werden.
Interviewer: Viele Versicherte sind jetzt verunsichert. Was sollten sie als Erstes tun?
Thomas Bremer: Ganz wichtig ist: Ruhe bewahren. Die luxemburgische Aufsicht CAA hat bereits angekündigt, in Kürze weitere Informationen zu veröffentlichen – und das auch auf Deutsch. Betroffene sollten regelmäßig die Website des CAA besuchen und sich dort über das Anmeldeverfahren für Forderungen informieren. Wer Post vom Liquidator erhält, sollte diese sorgfältig lesen und im Zweifel rechtlich prüfen lassen.
Interviewer: Welche Fristen oder Fallstricke könnten hier eine Rolle spielen?
Thomas Bremer: Ja, das ist ein zentraler Punkt. In solchen Verfahren gibt es Fristen zur Anmeldung von Ansprüchen – wer diese versäumt, läuft Gefahr, leer auszugehen. Und da es sich um ein grenzüberschreitendes Verfahren handelt, können sprachliche oder juristische Hürden dazukommen. Es kann sinnvoll sein, sich von einem spezialisierten Anwalt oder einer Verbraucherzentrale unterstützen zu lassen.
Interviewer: Die Gesellschaft war über den Europäischen Pass in Deutschland aktiv, die BaFin aber nicht zuständig. Was bedeutet das für den Verbraucherschutz?
Thomas Bremer: Es ist eine bekannte Schwäche des europäischen Binnenmarkts: Die Aufsicht liegt beim Herkunftsland, in diesem Fall Luxemburg. Die BaFin kann also nicht unmittelbar eingreifen oder regulieren. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland heißt das, sie müssen sich auf Informationen und Verfahren aus Luxemburg verlassen – auch wenn sie ihren Vertrag in Deutschland abgeschlossen haben.
Interviewer: Gibt es auch eine Verwechslungsgefahr mit anderen Unternehmen?
Thomas Bremer: Ja, das ist wichtig: Die FWU Life Insurance Lux S.A. ist nicht identisch mit der FWU Life Insurance Austria AG. Letztere ist eigenständig und untersteht der Aufsicht in Österreich. Wer dort versichert ist, ist von der aktuellen Liquidation nicht betroffen. Trotzdem sorgt der Name natürlich für Verwirrung – das sollte man klar auseinanderhalten.
Interviewer: Was raten Sie ganz konkret betroffenen Versicherungsnehmern?
Thomas Bremer: Wer betroffen ist, sollte sich zügig informieren, seine Vertragsunterlagen bereitlegen und keine Fristen verpassen. Im Zweifel professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Und: Nicht auf dubiose Angebote reagieren, die jetzt womöglich ins Haus flattern – sogenannte „Helfer“, die für viel Geld versprechen, verlorenes Kapital zurückzuholen. Das ist oft der nächste Betrug.
Interviewer: Vielen Dank, Herr Bremer, für Ihre Einschätzung.
Thomas Bremer: Sehr gerne. Und allen Betroffenen wünsche ich, dass das Verfahren so transparent und fair wie möglich abläuft.