Interviewer: Herr Dr. Reime, Royals Fund ist bereits das zweite Mal Gegenstand einer BaFin-Warnung. Was steckt dahinter?

RA Reime: Das ist ein typisches Muster bei betrügerischen Plattformen: Sobald eine Website durch Behörden oder Medien auffliegt, wird sie deaktiviert – und kurz darauf taucht eine nahezu identische Seite mit neuer Domain auf. Inhalt, Design und Versprechungen bleiben gleich, nur die Adresse ändert sich. Dieses „Domain-Hopping“ soll verhindern, dass Warnungen dauerhaft greifen.

Interviewer: Woran erkennen Anleger, dass es sich bei royals-fund.io um ein unseriöses Angebot handelt?

RA Reime: Es gibt mehrere Warnzeichen:

  1. Keine Zulassung bei der BaFin – das lässt sich einfach über die Unternehmensdatenbank prüfen.

  2. Unrealistische Gewinnversprechen in sehr kurzer Zeit.

  3. Fehlende oder gefälschte Lizenzen.

  4. Druck durch angebliche Berater, schnell zu investieren.

  5. Und nicht zuletzt: Wenn die Plattform in der Vergangenheit bereits unter anderem Namen negativ aufgefallen ist.

Interviewer: Was droht Anlegern, die auf der Website investiert haben?

RA Reime: Im schlimmsten Fall ein kompletter Verlust des investierten Kapitals. Denn hinter solchen Seiten stehen keine regulierten Anbieter, sondern professionelle Betrüger, die Gelder ins Ausland transferieren – meist via Krypto oder über Drittanbieter-Konten. Zudem besteht die Gefahr des Datenmissbrauchs, wenn Ausweiskopien oder Wallet-Zugänge übermittelt wurden.

Interviewer: Welche Rechte haben Betroffene?

RA Reime: Sie sollten sofort handeln:

  • Zahlungen stoppen, ggf. Chargeback oder Rückrufversuch bei der Bank einleiten.

  • Anzeige bei der Polizei erstatten.

  • Beweismittel sichern: E-Mails, Kontoauszüge, Screenshots.

  • Den Fall der BaFin melden.
    In manchen Fällen lässt sich über zivilrechtliche Schritte oder Sammelklagen ein Teil des Schadens begrenzen – je nach Zahlungsweg und Reaktionszeit.

Interviewer: Was raten Sie zur Vorbeugung?

RA Reime: Ganz klar: Keine Investments über Plattformen tätigen, die kalt über E-Mail oder soziale Netzwerke kontaktieren. Und bei jeder Plattform prüfen:

  • Ist sie bei der BaFin registriert?

  • Gibt es Warnmeldungen bei BaFin oder ausländischen Aufsichtsbehörden wie FCA, AMF, FINMA?

  • Gibt es ein Impressum mit echter Adresse und erreichbarer Kundenbetreuung?

Interviewer: Wie gefährlich ist der Kryptobezug in diesem Fall?

RA Reime: Sehr. Krypto-Transfers sind nicht rückholbar. Viele unseriöse Anbieter fordern genau deshalb Zahlungen in Bitcoin oder anderen Coins – weil sie so anonym agieren können. Wer hier investiert, sollte doppelt kritisch sein.

Interviewer: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Dr. Reime.

RA Reime: Sehr gern. Bleiben Sie wachsam – und lassen Sie sich nicht von angeblichem Reichtum in kurzer Zeit blenden.