Redaktion: Herr Bremer, die BaFin warnt aktuell vor Angeboten auf der Website michaelscherbaum(.)com. Worum geht es in diesem Fall?

Thomas Bremer:
Nach den aktuellen Erkenntnissen der BaFin besteht der Verdacht, dass die unbekannten Betreiber der Website michaelscherbaum(.)com ohne die erforderliche Erlaubnis Wertpapierdienstleistungen anbieten. Besonders brisant ist dabei: Die Betreiber erwecken offenbar den Eindruck, es gebe einen Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung Michael Scherbaum e.K. mit Sitz in Haar. Genau das hat die BaFin ausdrücklich verneint. Die echte Vermögensverwaltung Michael Scherbaum e.K. steht in keinerlei Zusammenhang mit dieser Website und den dort angebotenen Dienstleistungen oder Festgeldanlagen. Das ist damit ein klassischer Fall von Identitätsmissbrauch im Finanzbereich.


Redaktion: Warum ist Identitätsmissbrauch bei Finanzangeboten so gefährlich?

Thomas Bremer:
Weil Betrüger gezielt mit Vertrauen arbeiten. Ein realer Name, ein existierendes Unternehmen und ein professioneller Internetauftritt reichen oft schon aus, damit Verbraucher ein Angebot für seriös halten. Genau das ist das Problem. Beim Identitätsmissbrauch wird die Glaubwürdigkeit eines echten Unternehmens missbraucht, um Anleger zu täuschen. Das macht diese Fälle besonders gefährlich, weil viele Betroffene erst sehr spät merken, dass sie gar nicht mit dem echten Unternehmen kommunizieren.


Redaktion: Die BaFin spricht von einem Verdacht auf unerlaubte Wertpapierdienstleistungen. Was bedeutet das konkret?

Thomas Bremer:
Das bedeutet: Wer in Deutschland Wertpapierdienstleistungen anbietet, braucht dafür eine Erlaubnis beziehungsweise Zulassung der BaFin. Fehlt diese Erlaubnis, ist das ein massives Warnsignal. Im aktuellen Fall geht die BaFin davon aus, dass die unbekannten Betreiber ohne Erlaubnis handeln. Für Verbraucher heißt das: Wer hier investiert oder sich auf solche Angebote einlässt, bewegt sich außerhalb des regulierten Finanzmarktes – und das ist immer mit erheblichen Risiken verbunden.


Redaktion: Die BaFin erwähnt auch Festgeldanlageangebote. Warum ist das bemerkenswert?

Thomas Bremer:
Weil genau das ein typisches Muster unseriöser Anbieter ist. Auf der einen Seite wird mit Begriffen gearbeitet, die nach Vermögensverwaltung oder Wertpapiergeschäft klingen, auf der anderen Seite tauchen plötzlich Festgeldangebote auf, also Produkte, die für viele Verbraucher zunächst nach Sicherheit klingen. Diese Mischung aus scheinbarer Professionalität und vermeintlich sicherer Anlage ist besonders gefährlich. Sie soll Vertrauen schaffen und Menschen zu schnellen Entscheidungen verleiten.


Redaktion: Welche Warnsignale sollten Verbraucher bei einer Website wie michaelscherbaum(.)com besonders ernst nehmen?

Thomas Bremer:
Es gibt mehrere sehr typische Warnsignale:

  1. Ein bekannter oder real existierender Name wird genutzt
    Das schafft Vertrauen – kann aber gezielt missbraucht sein.
  2. Professionell wirkende Website
    Eine gute Website ist heute kein Beweis für Seriosität.
  3. Festgeld oder Wertpapierangebote mit hoher Glaubwürdigkeit
    Gerade solche Kombinationen sollen Sicherheit vermitteln.
  4. Unklare oder abweichende Kontaktdaten
    E-Mail, Telefonnummer, Domain oder Impressum passen oft nicht exakt zum echten Unternehmen.
  5. Fehlende überprüfbare BaFin-Zulassung
    Das ist eines der wichtigsten Alarmsignale überhaupt.

Redaktion: Wie können Verbraucher erkennen, ob sie mit dem echten Unternehmen oder mit einem Identitätsmissbrauch zu tun haben?

Thomas Bremer:
Der wichtigste Punkt ist: Nie nur auf die Angaben der Website verlassen. Verbraucher sollten immer:

  • den Namen des Unternehmens unabhängig recherchieren,
  • die offizielle Website des echten Unternehmens selbst aufrufen,
  • Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Domain vergleichen,
  • in der BaFin-Unternehmensdatenbank prüfen, ob eine Zulassung besteht,
  • misstrauisch werden, wenn die Kontaktdaten nicht exakt übereinstimmen.

Mein Grundsatz lautet:
Nicht den Namen prüfen – die Echtheit des konkreten Angebots prüfen.


Redaktion: Welche Rolle spielt die ausdrückliche Klarstellung der BaFin, dass die Vermögensverwaltung Michael Scherbaum e.K. nicht beteiligt ist?

Thomas Bremer:
Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Die BaFin schützt damit nicht nur Verbraucher, sondern auch das real existierende Unternehmen, dessen Name offenbar missbraucht wird. Wenn die Aufsicht ausdrücklich klarstellt, dass kein Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung Michael Scherbaum e.K. besteht, ist das für Verbraucher ein eindeutiges Warnsignal. Spätestens dann sollte niemand mehr glauben, er habe es mit dem echten Anbieter zu tun.


Redaktion: Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Kontakt mit der Website hatten oder Geld überwiesen haben?

Thomas Bremer:
Dann sollte man sofort handeln:

  • keine weiteren Zahlungen leisten
  • sämtliche Kommunikation sichern (E-Mails, Screenshots, Verträge, Chatverläufe)
  • die eigene Bank sofort informieren, wenn bereits Geld überwiesen wurde
  • Passwörter ändern, falls Daten eingegeben wurden
  • Kontobewegungen prüfen
  • Strafanzeige bei der Polizei erstatten
  • die BaFin-Warnung dokumentieren
  • und möglichst schnell rechtliche Beratung einholen

Wichtig ist: Nicht hoffen, dass sich das von selbst aufklärt. Gerade bei Identitätsmissbrauch zählt Zeit.


Redaktion: Welche Rolle spielt die BaFin-Warnung in diesem Fall?

Thomas Bremer:
Die BaFin-Warnung ist hier ein ganz klares öffentliches Stoppsignal. Sie erfolgt auf Grundlage von § 37 Absatz 4 Kreditwesengesetz (KWG). Das bedeutet für Verbraucher: Die Aufsicht sieht hinreichende Anhaltspunkte, um öffentlich vor diesem Angebot zu warnen. Wer eine solche Warnung ignoriert, geht ein unnötig hohes Risiko ein.


Redaktion: Ihr wichtigster Rat an Verbraucherinnen und Verbraucher?

Thomas Bremer:
Mein Rat ist ganz eindeutig:
Vertrauen Sie niemals allein einem Namen, einer Website oder einem professionellen Auftritt.

Gerade im Finanzbereich gilt heute:

  • Erst die Zulassung prüfen
  • Dann die Kontaktdaten verifizieren
  • Dann das Produkt hinterfragen
  • Und erst ganz am Ende über eine Investition nachdenken

Wer diese Reihenfolge umdreht, läuft Gefahr, auf Identitätsmissbrauch hereinzufallen.


Redaktion: Ihr Fazit zum Fall michaelscherbaum(.)com?

Thomas Bremer:
Der Fall zeigt einmal mehr, wie perfide dubiose Anbieter inzwischen vorgehen. Sie nutzen reale Unternehmensnamen, kombinieren diese mit professionellen Webseiten und verknüpfen das Ganze mit vermeintlich sicheren Anlageangeboten. Genau diese Mischung macht Identitätsmissbrauch im Finanzbereich so gefährlich. Die BaFin-Warnung ist deshalb eindeutig: Finger weg von Angeboten auf michaelscherbaum(.)com. Wer investieren will, sollte ausschließlich mit Anbietern arbeiten, deren Identität und Zulassung zweifelsfrei überprüfbar sind.